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 Früher wäre ich nicht unbedingt auf die Idee gekommen zwei Hunde zu halten. Nachdem wir jedoch Barney zu uns genommen haben, hat sich dies geändert.
Barney ist, bis er zu uns kam, immer in einem Hunde-Rudel gewesen und hat seine Kumpel bei uns dann doch sehr vermisst. Bei jedem Hund den wir trafen, fing Barney fürchterlich an zu weinen. Auch im Hundeverein war es für ihn das größte mit seinem Artgenossen herumtoben zu dürfen. So machten wir und bald Gedanken darüber einen zweiten Hund dazu zu holen.
Wir wollten damit aber warten, bis Barney so einigermaßen gut erzogen ist . Dies kann ich rückblickend auch nur empfehlen (hierzu später mehr).
Auf der Suche nach einem geeigneten Kumpel für Barney war ich zunächst sehr unsicher. Rüde oder Hündin? Ich habe viele Leute im Hundeverein hierzu befragt und bekam die unterschiedlichsten Antworten. Wir haben uns dann für einen zweiten Rüden entschieden. Ich muss sagen, ich bereue diese Entscheidung nicht.
Dann ging die Suche los. Sicher war, dass es ein Labrador oder Labradormischling sein soll. Am liebsten ein blonder, aber nach Möglichkeit mit nicht ganz so kurzen Beinen wie es eigentlich der Standard ist. Ich habe viele Züchterseiten im Internet besucht und bin auch dort fündig geworden. Allerdings ist es bei uns im Norden etwas schwer. Die meisten Züchter befinden sich anscheinend ehr im Süden. Da wir ja die Strecke aber nicht nur einmal zurücklegen mussten, schied dies aus. Also suchten wir weiter. Über diverse Tierschutzvereine wurden wir ebenfalls fündig. Allerdings stammten diese Hunde fast ausschließlich aus dem Ausland und in Punkto Mittelmeerkrankheiten (wie schon berichtet) war mir das Risiko einfach viel zu groß. Mal abgesehen davon, dass ich nach Möglichkeit keinen zweiten Hund mit so stark ausgeprägten Jagdtrieb haben wollte.
Nach langer Suche fand ich eine Kleinanzeige aus einer Internetseite im Oldenburger Raum. Dies liegt um 200 km von unserem Wohnort und war somit akzeptabel. Es wurde ein neues Zuhause für einen Labrador- Goldenretrievermischling (7Monate alt) gesucht. Ich rief gleich dort an. Die Beschreibungen der Familie trafen genau meine Vorstellungen. Also vereinbarten wir einen Kennenlerntermin, damit wir zunächst prüfen konnten, ob Barney und der andere Hund sich auch verstehen.
Endlich, der Tag war gekommen und wir fuhren hin. Wir wurden gleich stürmisch von Tasso (damals hieß er zeitweilig Justus) begrüßt. Zunächst leinten wir die Hunde ab und ließen sie im Garten toben. Barney und Tasso tobten immer wieder um das Haus herum und waren völlig ausgelassen. Es passte einfach toll. Die Mutter von Tasso lebt auch in dem Haus. Sie wurde dann später dazu gelassen, was leider schief ging. Sie und Barney bekamen sich etwas in die Wolle. Es aber glimpflich ausgegangen. Ich denke sie hat nur ihr Kind und ihr Revier verteidigen wollen.
Nach einem Gespräch bei einer Tasse Kaffee war schnell klar. Tasso soll es sein. Da die Familie von Tasso jedoch kurz darauf in den Urlaub wollte, haben wir ihn dann auch noch am gleichen Tag mitgenommen.
Ich war natürlich sehr aufgeregt. Wie wird es im Auto auf der Fahrt gehen? Wird Barney in seinem Zuhause Tasso auch akzeptieren oder sein Revier verteidigen? Fragen, Fragen, Fragen!
Damit es nicht schon auf der Nachhausefahrt auf engem Raum im Auto Streit gibt, haben wir die Hunde zunächst getrennt. Einer (Tasso) saß hinten im Kombi und Barney auf der Rückbank. Zumal Barney damals ohnehin sich geweigert hat hinten einzusteigen! Dies hat sich durch Tasso später aber auch geändert (heute fahren beide zusammen hinten im Kombi mit). Die Fahrt verlief völlig problemlos und wir machten sogar auf einem Rastplatz in einem Lokal Pause. Ganz wohl war uns nicht dabei das Lokal mit zwei Hunden (einem noch völlig unerzogenen Wildfang) zu betreten. Aber auch hier waren wir völlig überrascht wie toll das schon ging. Wir wurden sogar für unsere so artigen Hunde gelobt.
Zuhause angekommen stieg der Adrenalinspiegel gewaltig. Wird Barney Ärger machen, wenn Tasso mit in seine Wohnung kommt? Nein, es ging auch hier völlig problemlos. Kein Theater, als wäre es das normalste von der Welt, dass plötzlich ein weiterer Hund da ist. Selbst beim späteren Füttern im relativ engen Flur (hatte mich zunächst noch zwischen die Hunde gestellt, da ich nicht sicher war ob das gut geht) keinerlei Probleme. Jeder fraß aus seinem Napf und im Anschluss wurde bei dem anderen nachgesehen, ob noch etwas übrig ist. Ich war erleichtert. Auch mit unserem Kater Gismo gab es keine nennenswerten Probleme. Gismo ging anfangs etwas auf Abstand, gewöhnte sich aber auch sehr schnell an Tasso.
Da Tasso wie gesagt noch so gut wie keine Erziehung hatte, gingen wir in der ersten Zeit mit beiden Hunden getrennt spazieren (doppelte Arbeit!). Aber ich kann auch dies nur empfehlen, da man nicht einen Hund erziehen kann, wenn man auf beide achten muss. Man ist viel zu schnell abgelenkt und macht dann auch Fehler. Auch im Hundeverein hieß es jetzt - doppelte Arbeit! Manchmal ein ganz schöner Spagat wenn man mit zwei Hunden direkt nacheinander trainiert.
Barney wurde in der nächsten Zeit noch viel artiger als er es ohnehin schon war. Er machte alles so toll, dass wir begeistert waren. Er wollte gefallen und zeigen, dass er alles viel besser als Tasso kann. Dieses hielt vielleicht ein 3/4 Jahr an. Dann wurde Barney plötzlich etwas aufmüpfig und testete aus wie weit er gehen kann. Auch was andere Hunde angeht, ist er nicht mehr ganz so problemlos wie zuvor. Er versucht teilweise Streit anzuzetteln und wir müssen hier schon sehr aufpassen. Aber dies hatte ich vorher schon von anderen Hundebesitzern gehört, wenn ein zweiter Hund dazu kam.
Den ersten Streit zwischen Tasso und Barney gab es wegen eines Schweineohres. Beide lagen im Wohnzimmer und bekamen Schweinohren. Tasso war der Meinung, dass er das von Barney auch haben muss und musste erkennen, dass dies eine schlechte Idee war. Barney verteidigte sein Schweieohr sehr massiv! Einen weiteren solchen Vorfall gab es ein paar Wochen später im Garten. Wieder hatten beide ein Schweineohr. Barney hatte seines in zwei hälften geteilt und die eine Hälfte lag ca. 1 m entfernt von ihm. Tasso war mit seinem Schweineohr fertig und schlenderte durch den Garten und fand die vermeintlich einsame Hälfte des Schweineohres von Barney und ergriff die Chance. Plötzlich hatte ich zwei kämpfende Hunde im Garten. Dieses mal war es jedoch viel heftiger als das mal zuvor. So dass ich mich entschied sofort dazwischen zu gehen. Ich rannte laut schimpfend mitten in die Hunde rein und der Streit war sofort vom Tisch. Seit diesem Tag sind die Fronten geklärt und Tasso unternimmt keine Versuche mehr, Barney irgendwelches Futter zu stehlen. Richtigen Streit gab es seit dem nicht mehr. Bei Spielzeug ist dies meistens anders. Tasso macht Barney sämtliches Spielzeug streitig und Barney nimmt dies einfach so hin.
Beide betreiben auch ausgiebig Körperpflege bei dem anderen. Da werden stundenlang die Ohren geleckt und wenn Tasso an seinem Wassernapf war (er trinkt so, dass ihm im Anschluss immer noch Wasser aus dem Maul läuft) geht Barney hin und leckt ihm das Maul trocken.
Barney ist seit wir Tasso haben noch viel selbstsicherer geworden und hat nicht mehr so viele Ängste.
Die beiden sind ein spitzen Team und ich bereue die Entscheidung nicht. Es bedeutet aber auch viel Arbeit. Ein zweiter Hund läuft nicht automatisch nebenher. Er lernt aber auch von dem anderen Hund. Deshalb denke ich auch, dass es sehr wichtig ist, dass der erste Hund schon eine gewisse Erziehung hat. Ansonsten wird es sehr schwer. Neulich sprach mich im Futterhaus jemand an, der sich einen zweiten Hund zu seinem noch völlig wilden und nicht besonders gut erzogenen Hund dazu genommen hatte. Er war der Meinung der erste wird dann ruhiger. Leider war das Gegenteil der Fall. Nun hat er zwei Chaoten!
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